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Eine
Höhlentour
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Wie
kommt man zu einer Höhlentour |
Ein
Tourenbericht von
Queis-online |
Vorab ein Wort zu den Fotos: Ohne gutes Blitzlicht ist es schwierig in Höhlen gute Fotos zu machen. Oft hat man auch den Dunst des eigenen Atems direkt vor der Linse, das sieht man auch auf einigen der folgenden Bilder. Dazu kommt das ich meine gute Kamera nicht mit hatte, da man ja doch recht nass wird und theoretisch auch ganz im Wasser landen kann. So kommen die relativ schlechten Bilder zustande. Aber ich denke, um einen ersten Eindruck von der Höhle zu bekommen ist die Qualität ausreichend.
Am 9.12.2000 hatten wir, Felix und ich, das Glück an
einer Tour in die Lamprechtshöhle teilnehmen zu können. Zu verdanken haben wir
das der Alpenvereins- Sektion Passau und dem Paul, dem verrückten fleischessenden
Extremhöhlen- Tauchrettungskletterer, Regelungstechniker und
Österreicherfreund aus Passau, der auch gerne mal in Äthiopien und Libyen mit
seinem Landrover unterwegs ist. Ich denke, so habe ich den Paul
ganz gut beschrieben. Das besondere an dieser Tour war, dass wir den
Schauteil der Höhle, der auch Touristen zugänglich ist, verlassen haben und in
die eigentliche Höhle vorgedrungen sind. Der Paul ist geprüfter Höhlenführer
und war schon tausendmal in der Lamprechtshöhle, so dass wir keinerlei Bedenken
haben mussten, dass wir in der Höhle überwintern müssen. Allerdings musste
mir der Paul vorher versichern, dass wir nicht durch enge Spalten und
Felslöcher kriechen müssen. Da habe ich so meine schlechten Erfahrungen bei
der ersten Höhlentour mit dem Paul in der Klausenhöhle gesammelt. Die war
nämlich an einigen Stellen so eng, dass ich mit meinem riesigen Körper nie im
Leben durchgepasst hätte. In der Klausenhöhle hatte ich dann nach diversen
Adrenalinstößen aufgegeben und den Rückweg angetreten. Die Tour in der
Lamprechtshöhle war aber Gott sei Dank ganz anderer Natur. Man kann sagen, dass
die Höhlenforscher einen unterirdischen Klettersteig mit Fixseilen, Leitern und
Eisenstiften angelegt haben. Vorraussetzung ist nur, dass man mit
Sicherungsmethoden, die bei Klettersteigen üblich sind klarkommt, Spaß am
klettern, keine Höhenangst und keine Probleme mit klitschnassen Sachen
bei konstanten 4°C hat. An einigen Stellen hat man ordentlich Luft unter den
Sohlen und Wasser über dem Kopf. Für uns war es auf jeden Fall ein super
Erlebnis, das wir nicht so schnell vergessen werden. Danke Paul!
Paul
Ich bin kein Höhlenexperte, aber ich werde trotzdem ein paar Worte über die Lamprechtshöhle verlieren, damit der Leser ungefähr weis um was es eigentlich geht.
Die Lamprechtshöhle ist die größte Wasserhöhle Österreichs und liegt an der Hauptstraße zwischen Lofer und Saalfelden. In den vergangenen Jahrhunderten waren es vor allem Schatzsucher, die in der Höhle unterwegs waren. Laut einer Sage über den Lamprechtsofen stand zwischen Lofer und Unken die Burg Saalecker. Auf dieser Burg hauste Ritter Lamprecht mit seinen beiden Töchtern, deren jüngere blind war. Der Ritter, der seine Schätze nicht redlich erworben hatte, hinterlies sie milden Stiftungen. Seine ehrgeizige Tochter aber versteckte diese im Lamprechtsofenloch. Zur Strafe muß sie mit Höllenhunden den Schatz bewachen. Das ist eine von mehreren Sagen um den Ritter Lamprecht und seinen Schatz.
Schon 1650 war das Schatzgräberfieber bereits voll
ausgebrochen, was auch in den Akten der Salzburger Behörden seinen Niederschlag
fand. 1883 wurde erstmals vom ÖTK Sektion Höhlenkunde der Versuch unternommen,
den Lamprechtsofen zu erschließen. 1899 kam die Höhle in Pacht der DAV- Sektion
Passau. 1905 entstand in der Lamprechtshöhle die erste elektrisch
beleuchtete Schauhöhle Österreichs. Rund 70 Jahre lang erfüllte der damals
installierte Dynamo seine Funktion. ![]()
Lange blieb die Herkunft der Höhlenbäche, die bei Hochwasser die ganzen
vorderen Teile der Höhle überschwemmen können, im Dunkeln. Erst 1964 begann
mit Tauchversuchen und der Sprengung eines künstlichen Stollens über den
Bocksee eine neue Ära der Lamprechtshöhlenforschung. In den letzten Jahren
wurde die Höhle fast vollständig erschlossen. Polnische Höhlenforscher fanden
einen Durchstieg vom oberen Einstieg im Bereich des Nebelbergkars durch das
riesige Höhlensystem bis zum Höhleneingang bei der Schauhöhle.
Das begehen des Forschungsteils der Lamprechtshöhle ist nur im Winter möglich. Im Sommer sind große Teile im unteren Höhlenbereich vollständig mit Wasser gefüllt. Aber auch im Winter sollte das Wetter stimmen. Ein richtiges Gewitter kann binnen weniger Stunden dazu führen, dass der Rückweg aus der Höhle abgeschnitten wird.
Quelle: "Salzburger Höhlenbuch" Band 2, Walter Klappacher und Harald Knapczyk, Landesverein für Höhlenkunde in Salzburg 1977
Wir sind am Vormittag gegen 11:00 am Eingang der Schauhöhle gestartet. Zuerst läuft man ca. 5 Minuten durch einen Teil der Schauhöhle. Nachdem wir eine Gittertür, die für die Normal- Touristen verschlossen ist, passiert haben, beginnt die eigentliche Höhlentour. Ab jetzt gibt es keine Betontreppen und Geländer mehr und die Temperatur ist konstant 4°C. Auch elektrisches Licht, wie in der Schauhöhle gibt es hier nicht. Für uns dienen die Stirnlampen, die jeder von uns am Helm trägt, als Lichtquelle.
Die Wege in der Höhle, sofern man von Wegen sprechen
kann, sind an gefährlichen Stellen mit Fixseilen abgesichert. Um sich an diesen
Fixseilen zu sichern, benutzt man wie bei einem Klettersteig im Gebirge ein
Klettersteigset, bestehend aus Klettergurt und zwei kurzen Seilstücken mit
Karabinern. Wo man als normalsterblicher Mensch nicht laufen kann, wurden
Leitern, Eisenstifte und Stahlträger eingebaut. Eigentlich kann man sagen es
ist ein unterirdischer Klettersteig. Highlights auf dem Weg sind die sogenannten
Seilbahnen. Über teilweise tiefe Schächte sind drei Seile gespannt, auf einem
läuft man und an den anderen beiden Seilen hält man sich fest. Eine dieser
Seilbahnen ist am Poldisee.![]()
Felix auf einer Seilbahn
Bei einigen von diesen Seilbahnen hat man richtig Luft unter den Sohlen. Teilweise sind die Schächte bis zu 90m tief.
Da die Höhle in den unteren Teilen im Sommer mit
Wasser gefüllt ist und auch im Rest des Jahres bei entsprechenden Regenfällen kräftig durchgespült werden
kann, ist der Fels dort zwar feucht,
aber erstaunlich griffig. An den Stellen, wo nie Wasser hin kommt, ist es lehmig
und rutschig. ![]()
Ausschnitt aus dem Höhlenplan, Quelle: "Salzburger Höhlenbuch"
In der Lamprechtshöhle hatten wir fast immer genügend
Platz um laufen oder klettern zu können. An manchen Stellen muss man kriechen oder
sich durch Engstellen quetschen. Der hintere Höhlenteil wurde erst recht spät
erschlossen, da er nur für Höhlenforscher zugänglich war, die bereit waren
durch den Bocksee zu tauchen. Heute existiert ein künstlich angelegter Stollen,
durch den man auch trockenen Fußes den hinteren Höhlenteil erreichen kann. ![]()
Nach dieser Passage kommt man in den Lamprechts Dom. Das ist eine riesige Halle, in der man über rutschigen Lehm, teilweise mit Hilfe von Leitern, aufsteigen muss. Weiter geht es über die Schleierfall- Seilbahn und dann nach ein paar Engstellen in die engen Röhren des so genannten Kniebades. Diese Röhren heißen so, da in ihnen knietiefes Wasser fließt und man sie nur spreizender Weise durchqueren kann. Bei unser Tour haben sich dort viele nasse Füße geholt. Ich habe an dieser Stelle sicherheitshalber meine Kamera wasserdicht verpackt.
Felix auf einem Floß am Grünsee
![]()
Unsere Tour endet am Grünsee. Das ist ein See, den man mit kleinen Flößen überqueren muss, um weiter in die Höhle vordringen zu können. Den Spaß mit dem Floß zu fahren haben wir uns natürlich nicht nehmen lassen.
Auf dem Rückweg haben wir noch einen feuchten Abstecher zu dem Schleierfall, einem kleinen Wasserfall, gemacht. Wer bis jetzt noch nicht richtig nass war, der war es sicher nach dem Schleierfall. Gegen 17:00 waren wir wieder am Höhlenausgang, wo wir noch zwei Fledermäuse, die schon ihren Winterschlaf hielten, beobachten konnten. Wir waren fertig, pitschnass und mehrere Stirnlampen- Batterien waren verbraucht. Nach einem urigen Essen in der DAV- Lamprechtshütte haben wir uns auf den Rückweg nach Regensburg gemacht.
Eingang Lamprechtshöhle - Schauhöhle -
Hachelgangüberführung - Querkluft - Smaragdseeabfluss - Klamm - Druckstollen -
Poldisee - Bocksee - Pokal - Lamprechts Dom - Lehmgang - Schleierfallseilbahn -
Kniebad - Grünsee - zurück bis unterhalb des Lamprechts
Doms - Schleierfall -
gleicher Weg zurück zum Höhlenausgang.
Zur Foto Galerie Lamprechtshöhle
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Erstellt am 11.02.2001